31. März 2026 - Klimaschutz und Nachhaltigkeit
31. März 2026 - Klimaschutz und Nachhaltigkeit
Freiwilliges Ökologisches Jahr in der Klimawerkstatt
Freiwilliges Ökologisches Jahr in der Klimawerkstatt
In Hamburg engagieren sich viele junge Menschen im Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) für Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen. Einer von ihnen ist Milo, der sein FÖJ in der Klimawerkstatt des Kirchenkreises Hamburg-West/Südholstein macht und im Interview von seinen Aufgaben, seiner Motivation und einer besonderen Idee erzählt: der Kleidertauschbörse.
Was genau machst du als FÖJler im Kirchenkreis Hamburg‑West/ Südholstein?
Mein FÖJ ist ziemlich abwechslungsreich. Ein großer Teil meiner Arbeit besteht darin, Projekte rund um Nachhaltigkeit und Umweltbildung zu unterstützen. Dazu gehören zum Beispiel Aktionen zu Klimaschutz, Müllvermeidung oder nachhaltigem Konsum in Gemeinden und Einrichtungen des Kirchenkreises. Ich helfe bei Veranstaltungen, bereite Materialien vor, plane eigene Aktionen und unterstütze die Öffentlichkeitsarbeit, vor allem durch das Design von Plakaten, Flyern und Sharepics. Auch das Verfassen von Artikeln für das Intranet und für Benachrichtigungen an Kirchengemeinden über Angebote gehören zu meinen Aufgaben.
Kannst du ein paar konkrete Beispiele zu Projekten und Veranstaltungen nennen, die du mitorganisierst?
Klar!
Gemeinsam mit einem anderen FÖJler habe ich in der zweiten Woche des Klimafastens in diesem Jahr den Instagram-Account sovieldubrauchst mit eigenem Content bespielt. Am 01. Mai 2026 startet wieder die Aktion Stadtradeln. Hier organisiere ich mit meinem FÖJ-Kollegen aus dem Kirchenkreis Hamburg-Ost die Teilnahme für Mitfahrende aus unseren beiden Kirchenkreisen. Außerdem planen wir im Juni im Rahmen des Netzwerkes Churches for Future als FÖJ-Team ein Benefizkonzert in der Musikmuschel in Planten und Blomen. Ganz aktuell steht ein Workshop zum Thema Dachbegrünung an. Diesen bietet die AG “Vielfalt wächst in Hamburg” zusammen mit dem Geschäftsführer des Fachverbandes für Garten- und Landschaftsbau in Hamburg an. Ich habe den Kontakt mit dem Referenten hergestellt und die Veranstaltungsorganisation unterstützt. Wir werden gemeinsam das Dach eines Fahrradunterstandes begrünen und damit ganz konkret etwas für den Klimaschutz vor Ort tun.
Zwei andere Beispiele für den konkreten Einsatz waren der Bau einer Benjeshecke gemeinsam mit drei anderen FÖJler*innen. Aus Ästen, die von der Baumpflege auf einem kirchlichen Friedhof stammen, haben wir gemeinsam eine Totholzhecke gebaut. Und im Luthergarten haben wir zusammen beim Buddeln für den Einbau einer Zisterne geholfen. Ich finde es super, dass ich praktisch mit anpacken und direkt was für die Umwelt tun kann!
Besonders toll finde ich auch, dass ich eigene Ideen einbringen und mir selbst Projekte ausdenken kann.
Ein solches eigenes Projekt von dir ist die Kleidertauschbörse im Haus der Kirche im Rahmen des Klimafastens. Wie ist diese Idee entstanden?
Im Rahmen der Aktion Klimafasten – so viel du brauchst lautete in diesem Jahr das Motto der ersten Woche: Genug. Beschenkt. Damit verbunden sind die Fragen: Wovon habe ich genug? Was macht mich heute reich? Ich beschäftige mich viel mit dem Thema Kleidung als Konsumgut unserer Gesellschaft. Und beim Nachdenken über die beiden Fragen in der ersten Woche des Klimafastens kam mir das Thema Kleidung dann schnell in den Kopf. Was habe ich? Und was brauche ich eigentlich?
Viele Menschen wissen inzwischen, dass die Modeindustrie ein großes Umweltproblem ist – gleichzeitig haben die meisten von uns aber viel Kleidung im Schrank, die kaum getragen wird. Da dachte ich: Warum nicht eine Möglichkeit schaffen, Kleidung weiterzugeben, statt sie wegzuwerfen?
So entstand die Idee einer Kleidertauschbörse im Haus der Kirche. Menschen können gut erhaltene Kleidung mitbringen und dafür andere Stücke mitnehmen. Das ist nachhaltig, spart Geld und macht außerdem Spaß, weil man Anderen eine Freude machen und neue Sachen entdecken kann. Mit der Kleidertauschbörse hoffe ich, ein wenig mehr Bewusstsein für den Konsum von Kleidung und Mode zu schaffen. Vielleicht denkt ja die eine oder der andere vor dem nächsten „Spontankauf“ doch noch einmal darüber nach…
Ein weiterer Schwerpunkt deiner Arbeit ist das Vorhaben „Plastikfreies Haus der Kirche“. Was genau macht ihr dort – und welche Veränderungen merkt man im Alltag im Haus der Kirche bereits?
Die Aktion „Plastikfreies Haus der Kirche“ war sozusagen mein Startprojekt im Rahmen meines FÖJ. Wir machen das zusammen mit Baltiplast, das ist ein EU Projekt im INTERREG Programm. Es geht darum, den Verbrauch von Einwegplastik zu vermindern.
Erstmal geht es damit los, eine Analyse und Bilanzierung des Verbrauchs von Einwegplastik im Haus der Kirche zu erstellen und dann zu schauen, wie man Einwegplastik, die hauptsächlich als Umverpackung vorkommt, reduzieren kann. Die Bilanzierung selbst ist gar nicht so einfach und ein längerer Prozess, bei dem wir uns die regelmäßigen Bestellungen anschauen, die im Haus getätigt werden. Was wird in welcher Menge bestellt, wie kommt es an und wie ist es verpackt? Das sammeln wir gerade. Außerdem machen wir ein Müllmonitoring und schauen, was im Büro alles an Einwegplastik weggeschmissen wird. Dabei ist aufgefallen: Die benutzten Mülltüten sind eigentlich viel zu groß und könnten eine Größe kleiner sein. So kann über das Jahr gesehen eine ganze Menge Einwegplastik direkt gespart werden.
Wie bist du auf die Idee gekommen, ein FÖJ zu machen?
Ich glaube es geht vielen jungen Leuten so, dass sie nach der Schule noch nicht genau wissen, was sie eigentlich danach machen wollen. So ging es mir auch.
Erst hatte ich über ein Freiwilliges Soziales Jahr nachgedacht, bin dann aber auf die Möglichkeit eines Freiwilligen Ökologischen Jahres gestoßen. Das fand ich besser, mich für Umwelt- und Klimaschutz zu engagieren. Ich wollte erstmal ein Jahr Erfahrungen sammeln, bevor ich in ein Studium oder eine Ausbildung starte.
Das FÖJ ist dafür perfekt, weil man wirklich mitarbeiten kann und gleichzeitig viel lernt. Man bekommt Einblicke in Projekte, Organisation und Umweltarbeit – und lernt viele andere junge Menschen kennen, die ähnliche Interessen haben.
Wie kann man selbst ein FÖJ machen?
Ein Freiwilliges Ökologisches Jahr können junge Menschen zwischen 16 und 26 Jahren machen. Es dauert in der Regel ein Jahr und beginnt meistens im Sommer. Bewerben kann man sich über die Trägerorganisationen des FÖJ. Dort gibt es eine Übersicht über die verschiedenen Einsatzstellen – zum Beispiel in Umweltzentren, Naturschutzorganisationen oder eben auch in kirchlichen Einrichtungen. Zum FÖJ gehören neben der praktischen Arbeit auch mehrere Seminarwochen mit anderen Freiwilligen. Dort tauscht man sich aus, lernt neue Themen kennen und arbeitet gemeinsam an Umweltfragen.
Was gefällt dir am meisten an deinem FÖJ?
Am besten finde ich, dass ich wirklich das Gefühl habe, etwas Sinnvolles und Wirksames zu tun. Ich arbeite mit Menschen zusammen, die sich für Umwelt und Gesellschaft engagieren, und kann eigene Ideen ausprobieren. Und ganz nebenbei lernt man auch viel – über Organisation, Projekte und natürlich über Nachhaltigkeit und bekommt viele Einblicke in die verschiedensten Themenbereiche.
Und ich habe auch etwas über mich gelernt: Ich möchte später keinen reinen Bürojob machen, eine Kombination aus Arbeit am Schreitisch und Kreativität in Projekten und Aktionen vor Ort liegen mir auf jeden Fall mehr!
Zum Schluss: Würdest du ein FÖJ weiterempfehlen?
Auf jeden Fall. Ich finde, dass Freiwilligendienste allgemein viel mehr beworben werden sollten! Es ist eine tolle Möglichkeit, sich zu orientieren, neue Erfahrungen zu sammeln und gleichzeitig etwas für Umwelt und Gesellschaft zu tun.
040 558 220-443