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15. August 2026 - Aus dem Leben

15. August 2026 - Aus dem Leben

Wir trauern um Reimund C. Reich

Wir trauern um Reimund C. Reich

Analoge Uhr

Der Hamburger Unternehmer und Stifter Reimund C. Reich ist am 1. August gestorben. Mit seiner Reimund C. Reich Stiftung hat er im Kirchenkreis drei Wohnprojekte für Menschen in Not ermöglicht, darunter auch sein Herzensprojekt, das Reimund C. Reich Haus im Trinitatis Quartier.

Er suchte nie den großen Auftritt. Wer Reimund C. Reich begegnete, traf einen zurückhaltenden, vornehmen Mann, der oft lieber zuhörte als redete – und der doch Großes bewegt hat. Der Kirchenkreis verliert mit ihm einen Wegbereiter, Förderer und Freund.

Reimund Christian Reich wurde 1933 in Hamburg geboren. Die Nachkriegszeit hat ihn geprägt: die Härte jener Jahre ebenso wie die Hilfsbereitschaft, die er damals erfuhr. Daraus entwickelte er sein Lebensmotto „Hilfe zur Selbsthilfe". Er lernte das Zimmererhandwerk, erwarb zwei Meisterbriefe, studierte Schiffbau und weil er das Segeln liebte, wollte er sein Boot selbst bauen können. „Dass er aus dem Handwerksberuf diese Karriere hingelegt hat, ist beeindruckend", erinnert sich Propst Frie Bräsen.

Reichtum zur Schau zu stellen, war Reichs Sache nicht. Er blieb bescheiden, fuhr bis zuletzt ein kleines Auto und legte sein Vermögen umsichtig in Immobilien an. Auf einer Atlantiküberquerung mit einem Freund, so erzählte er später, reifte die Frage: Was mache ich mit dem, was ich erreicht habe?

Seine Antwort: der Gesellschaft zurückgeben, aus der heraus er so viel verdient hatte. 2008 gründete er die Reimund C. Reich Stiftung „Hilfe für Menschen in Not". Für sein Engagement wurde er im vergangenen Jahr mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. „Sich so etwas persönlich zu erarbeiten und wirklich in die Tat umzusetzen, dafür gehört eine Haltung, die ich hochrespektabel finde", so Bräsen.

Lange lief Reimund C. Reich mit seiner Idee, ein Haus für obdachlose Menschen zu bauen, durch Hamburg und fand weder Grundstück noch richtigen Partner. „Vorher hatte er immer Menschen getroffen, die nicht so richtig eine Idee davon hatten, was er eigentlich wirklich will", erinnert sich Bräsen an die erste Begegnung. Aus ihr wurde eine Partnerschaft, die drei Wohnprojekte hervorbrachte: ein Folgewohnen für Frauen aus Frauenhäusern, ein Frauenhaus und schließlich sein Herzensprojekt, das Anfang 2025 bezogene Reimund C. Reich Haus im Trinitatis Quartier in Altona mit 26 Housing-First-Wohnungen für ehemals obdachlose Menschen.

Dabei machte Reich es seinen Partnern nicht immer leicht. bauwerk-Geschäftsführer Michael Benthack erinnert sich an das erste Treffen: „Mein erster Eindruck war: Ich habe es vermasselt – so kritisch war das Gegenüber zu allem, was ich gesagt habe. Bis irgendwann der Rechtsanwalt anrief und sagte: Herr Benthack, alles gut, der mag Sie. Mit der Zeit haben wir ein ausgesprochen vertrautes Verhältnis entwickelt."

Hinter der prüfenden Strenge steckte ein Prinzip, sagt Benthack: „Herr Reich hat viel gefordert. Aber wer seinem Anspruch Genüge getan hat, erlebte ihn unendlich reich im Zurückgeben. Jemand, der so fordert und so fördert, das machte ihn aus."
Und dahinter schlug ein warmes Herz. „Bei der Eröffnung des ersten Projekts hatte er Tränen in den Augen", erzählt Bräsen. „Er sagte: Man muss doch Menschen Wege eröffnen, dass sie wieder ins Leben finden. Da merkte ich richtig: Hierfür schlägt ein Herz."

Dass sein Name am Haus im Trinitatis Quartier steht, musste man ihm erst abringen. Bei den ersten beiden Projekten hatte er darauf verzichtet. Bei der Grundsteinlegung ließ er sich dann doch bewegen, einige Worte zu sagen, fast mahnend an die Gesellschaft gerichtet: Reichtum verpflichte.

Bis zuletzt blieb er der Handwerker, der er immer war. „Ihm war überhaupt nicht egal, wie die Fenster sind, wie die Steine aussehen, ob der Weg zur Haustür gerade verlegt ist", erzählt Bräsen. „Er hat die Fassade angeguckt und sehr zufrieden gesagt: So stellt er sich Bauen vor. Dass er da mitreden wollte und konnte – viel mehr als ich –, hat ihn immer sympathisch gemacht."

Sein Wirken endet nicht mit seinem Tod. „Er hat das sehr bewusst als Stiftung angelegt, weil die im Grundsatz erst einmal auf ewig gilt", sagt Benthack. „Das war sein Gedanke: dass das, was er geschaffen hat, lange wirkt."

Die Stiftung führt sein Werk unter dem Vorsitz von Simone Grau fort, mit dem Fokus auf Kinder und obdachlose Menschen. Der Kirchenkreis wird die Zusammenarbeit in seinem Sinne weiterführen.

Wir sind dankbar für die Begegnungen mit Reimund C. Reich, für sein Vertrauen und seine Großzügigkeit. Unser Mitgefühl gilt allen, die ihm nahestanden sowie den Menschen seiner Stiftung. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Jessica Kratt
Assistenz Michael Benthack/ Koordination
Kontakt

040 558 220-443
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